Kuba Juni 2015


Einleitung

Und dann bist du wieder hier, betrittst Kuba wie ein Zimmer in einem Traum, das man verschloss, als du gingst, um alles für dich zu bewahren. Das Gute und das Notwendige, das Üble und Undurchdachte. Als wir den Flughafen verließen, um uns ein Taxi zu suchen, das groß genug war, um vier Männer mit sehr viel Gepäck aufzunehmen, war alles an seinem Platz. Alles hatte seine Ordnung und selbst der samtfeine Regen, der senkrecht vom Himmel fiel, schien uns wie ein Gruß Kubas - denn hinter dem Regen lauerte der tiefblaue Himmel in einem Wolkenriss.

Der Flug

Im Jänner dieses Jahres fand unser Freund Darek einen Flug nach Kuba, den wir nicht ungenutzt an uns vorbeiziehen lassen konnten. Von Wien über Düsseldorf nach Varadero mit Air Berlin um 460 Euro pro Person. Und nachdem wir im letzten Jahr aus verschiedenen Gründen nach unserem Besuch im Februar keine Gelegenheit mehr hatten, Kuba zu besuchen, war die Sehnsucht und Freude doch recht groß, wieder diesen Raum der Träume zu betreten.Der Flug von Wien nach Düsseldorf war kurz und unangenehm, weil die Bestuhlung in der A320 sehr eng ist. Der Hauptteil der Reise im A330-200 der Air Berlin war eine Wonne. Erstens lief alles pünktlich und wie am Schnürchen, zweitens war die neue Inneneinrichtung sehr bequem und drittens hatten wir mit den Stewards jede Menge Spaß, nachdem wir jeder vier Dosen Berliner Brise getrunken hatten - ein Cocktail, der scheinbar exklusiv für AB zubereitet wird.

Plan und Weiterreise

Unser Reiseplan diesmal war: Anreise nach Varadero, eine Nacht im Cuatro Palmas, am nächsten Tag zu Mittag weiter mit dem Viazul-Bus nach Havanna, um dort neun Tage lang dem wüsten Leben zu fröhnen.Varadero taugt für den Start in einen Kubaurlaub allein schon deshalb, weil die Versuchung dort, sich unangemessen gehen zu lassen, angesichts der dauergeilen kanadischen Walküren und der bis zum Fremdschämen versoffenen Russen, schwindend gering ist. So wars dann auch bei uns: wir checkten ein, bezogen die Zimmer, gingen in die Bar und tranken bei herein wehendem Wind und nach feuchter Erde riechendem Regen ein paar Becher Ron con Limon, bis wir bettschwer genug waren, um reuelos schlafen zu gehen. Die Buchung der Tickets für die Fahrt mit dem Bus kann man mittlerweile auch über das Internet abhandeln und mit VISA bezahlen (viazul.com/). Bei meinen Freunden sorgte dieser Prozess Anfang Februar für Magengrollen, aber ich behielt in meinem Vertrauen in die Redlichkeit der Kubaner Recht. Die Fahrt dauerte rund drei Stunden, und die Pinkelpause, die früher bei der Brücke am Yumuri-Tal stattfand, und etwa 20 Minuten dauerte, um den bei der Busstation angesiedelten Wirten und Krimskramshändler eine Chance zu geben, wurde auf 10 Minuten zusammengestrichen und ist öde und fliegensummend in einem nach angestaubten Bildern von Che und altem Urin stinkenden Holz- und Strohbau. Also ließen wir die empfehlenswerten Pina Coladas links liegen, in Nuevo Vedado, wo die Endstation der Buslinie (direkt gegenüber des städtischen Zoos) nahmen wir zwei alte Lada-Taxis, die in Eigenregie betrieben, und nur noch von Spucke, Gebeten und den saftigen Flüchen der Fahrer zusammengehalten wurden.

Ankommen

Die Begrüßung durch die Familie war herzlich wie immer, aber das, worauf ich mich am meisten freute, war eine kühlende Dusche bei offenem Fenster mit Blick aus dem zehnten Stock über den Vedado-Malecon zum Golf von Mexiko. Nach dem Bad und einem saustarken Cafe Cubano waren wir fit für neue Schandtaten.

Wie alte Pferde, die ihre Weide und ihren Stall schon kennen, hatten wir nun ein Restaurant, in das wir am liebsten zum Abendessen gingen (Sancho Pansa), unseren Strand (Mi Cayito) und unsere Tummelplätze (Malecon beim Bim Bom, Parque Central, Paseo de Prado). In den folgenden Tagen trafen wir einige Bekannte und zu Freunden gewordene Bekannte wieder und machten neue Freundschaften. Von der in den europäischen Medien thematisierten Öffnung der Beziehungen zwischen Kuba und den USA ist auf Kuba selbst nicht viel zu merken, außer einer vibranten Aufbruchsstimmung, die seltsam ziellos erscheint, und steigende Servicepreise - vor allem bei den Taxis, bei denen man nach wie vor dringend den Preis vor dem Einsteigen aushandeln sollte. Die üblichen fünf CUC für die Strecke vom Hotel Inglaterra bis zu unserem Haus hinter dem Hotel President (Avenida de los presidentes) wurde zum Teil belächelt und verspottet. Wenn wir dann weitergingen, kam dann doch immer einer aus dem Rudel der herumstehenden Fahrer herangelaufen und machte die Fahrt zum gewünschten Preis.

Havanna

Ich habe einen Jungen namens Yosua kennengelernt, von dem ich mich ziemlich bald wieder verabschiedete (oder er sich von mir, als er feststellte, dass die Quelle ausgetrocknet war), als er eine Stricherattitüde an den Tag legte, wie ich sie mir normalerweise nur in europäischen Großstädten erwartete. Er war modern angezogen, sehr modisch, mit iPad ausgestattet. Ein Hansdampf in allen Gassen mit hübschen Gesicht, aber derart geschäftsorientiert, dass mir das Grausen kam.Später lernte ich einen recht vernünftigen Mann namens Orlando kennen, mit dem ich mich ganz gut verstand, bis Papasito auftauchte, der in Wirklichkeit Ricardo heißt und ein Freund von Yudel ist, der wiederum der Urlaubsfreund meines Mannes ist. Kommen alle aus Chamagüe. Papasito ist ein schlanker, fast dünner Bursche mit Dreitagesbart, Rapperkäppchen und meist schwarz gekleidet - wenn er nicht gerade am Strand ist.

Er folgt der Harem-Jogging-Pants Mode, die sich dadurch auszeichnet, dass die Jogginghosen einen tiefen Schnitt haben und zwischen den Beinen durchhängen wie eben Haremshosen. Was in unseren Breiten vielleicht sogar politisch-religiös aufsässig wirken könnte (oder passiv-aggressiv) sieht dort bezaubernd sexy aus. Papasito erwies sich jedenfalls als überaus hemmungslos und bereit, sich auf mich einzulassen.

Abschied

Wir verabschiedeten uns von unseren Bekannten in Havanna, in dem wir uns nicht verabschiedeten, bis auf einen, dem wir vertrauen und der es wohl bis zu einer Einladung auf einen Urlaub in Österreich schaffen wird. Ich habe selten jemanden kennengelernt, der so offensichtlich Bedürfnisse hat und der so konsequent um nichts bittet, um nichts fragt. Die Anderen ließen wir wie oben schon erwähnt, über unser Abreisedatum im Unklaren und machten uns dann am 15.06 auf den Weg nach Varadero - wo die Dinge schon wieder etwas anders liegen.Zum einen ist die Polizeipräsenz dort viel dichter, und zweitens viel kontrollfreudiger. Auffällig scheint, dass das Wetter in Varadero meist besser ist als in Havanna. Jedenfalls ist es öfters sonniger und die Gewitter stören nicht so, wenn man bloß über den Strand zur überdachten Bar gehen muss, um im Trockenen bei Blitz & Donner ein paar Drinks zu sich zu nehmen.

Varadero

In Varadero, auf der Halbinsel Hicacos kann man nach den anstrengenden Tagen in einem der Hotels recht gut bei All-Inclusive entspannen. Und auch wenn ich selbst noch vor wenigen Jahren Pustel bekam, wenn man mir All-Inclusive vorschlagen wollte, sehe ich das jetzt entspannter: die versoffenen Kanadier und Russen kann man ignorieren, und wenn man zum Personal freundlich ist, wird das durch großzügig eingeschenkte Drinks, und erhöhte Aufmerksamkeit bei Tisch honoriert.

Tralala in Varadero

Wir haben die letzten Urlaubstage leicht trunken am Strand verbracht und Abends spazierten wir auf der 1ra auf und ab und meine Freunde machten einige Aufrisse in den Büschen hinter dem Kaufhaus. Mir fehlte nach den Tagen in Havanna der Antrieb dazu, und Sex im Freien erschien mir angesichts der Gelsenplage sowieso überbewertet. Ich lernte einen recht hübschen, und beim Tanzen in den Hüften sehr beweglichen und anzüglichen jungen Kerl kennen, der mir am letzten Abend eine sehr dunkle Ecke zeigte und wie herrlich der heiße Atem eines Mannes klingen kann, wenn vorübergehend Stille herrscht.Die Heimreise klappte wie am Schnürchen und ging schmerzfrei vonstatten. Was bei der Abreise über den Flughafen von Varadero zu beachten ist: Hier wurde die Prozedere der Ausreise in der Reihenfolge geändert.


War es früher so

  • Check in
  • Flughafentaxe zahlen
  • Ausreise
  • Securitycheck


Jetzt ist das anders geordnet

  • Flughafentaxe zahlen
  • Check in
  • Ausreise
  • Securitycheck.

Achtet also darauf, Euch am Flughafen in der richtigen Schlange einzuschlichten.

AddInfo: Die Flughafengebühr gibt es seit einigen Jahren nicht mehr

Hinweise zum Geldtransfer

Ein letzter Tipp - weil die Frage unter uns Freunden oft aufkam und bisherige Möglichkeiten schwinden: Wenn man Geld nach Kuba transferieren möchte, gibt es einige Möglichkeiten, die jedoch allesamt eher für Arsch & Friedrich sind: Die einzige, halbwegs brauchbare Methode scheint zu sein, eine Prepaid Kreditkarte zu bestellen (kann ruhig auf den eigenen Namen sein) und der Person mit Post zu schicken, die man künftig sponsern will. Man kann diese Prepaidkarten entweder direkt über das eigene Girokonto oder über ein eigens dafür eingerichtetes Konto aufladen und somit dem Inhaber der Karte Geld zur Verfügung stellen.Mehr zum Thema findet Ihr hier: kuba-entdecken.de/tipps-und-tricks/geld-ueberweisen/

Eine weitere Methode, Geld zu überweisen oder das Handyguthaben eines Kubaners aufzuladen, findet Ihr hier: https://www.fonmoney.de/

Alles in Allem hat sich auf Kuba wenig geändert bis auf die Preisvorstellungen der Taxifahrer und deren wachsende Unverschämtheit – vor allem von denen, die vor dem Hotel Inglaterra gegenüber des Parque Centrals stehen. Wenn man nicht gerade zu Tode erschöpft ist oder furchtbar dringend aufs Klo muss, kann man die Leute aber immer noch runterhandeln. Man muss sie nur spüren lassen, dass man verhandeln kann, verhandeln will und ein wenig spanisch spricht. Durchklingen zu lassen, dass man schon oft auf Kuba war, hilft auch.

Ansonsten ist hier alles beim Alten und wirklich spürbare Veränderungen werden wohl noch auf sich warten lassen.