Kuba, Januar 2012



Wann: 25.01.2012 - 08.02.2012Wo: La Habana, Matanzas, Varadero

Vorbereitungen(!): Unbedingt mitnehmen: Imodium Akut, Loperamid, Kopfschmerztabletten, Kohletabletten, Tabletten für Halsschmerzen und trockenem Husten, Sonnenschutzmittel 30-15. Eventuell starke, vom Hausarzt verschriebene Antibiotika


Für den Flug: seatguru.com/

Bei Airfrance und anderen Fluglinien auf die Airplus Sitze (Aufschlag rund 25 € verzichten, wenn diese Sitzplätze im Freiraumbereich neben den Küchen und in der Reihe sind, in der die Notausgänge sind, da sich dort im Lauf des Fluges immer wieder Passagiere einfinden, um Getränke zu holen und um herumzustehen. Man hat nichts davon.


1) Anreise

Nachdem wir im Sommer mit der deutschen Fluglinie Condor geflogen waren, wollten wir auch dieses Jahr wieder die Kombination /Lufthansa (Wien --> Frankfurt) und Condor (Frankfurt --> Kuba/Jose Marti) nutzen. Nur sind die Angebote derzeit sehr teuer geworden, und bei Condor war nichts unter 980 Euro zu finden. Nach längerem Suchen entschieden wir uns für ein Angebot der spanischen Fluglinie Iberia. Zum einen, weil der Preis akzeptabel war (810 € pro Person) und zweitens, weil unser weitgereister Freund Darek Stein und Bein darauf schwor, dass die Langstreckenmaschinen der Iberia auch in der Economyklasse wirklich sehr bequem seien.

Also buchte ich für meinen Freund und mich Tickets direkt über die Website der Iberia. Zwei Wochen später, also noch vor Weihnachten erhielten wir die Nachricht, dass unser Flug von Wien nach Madrid ersatzlos gestrichen wurde und wir somit keine Chance hatten, ohne größere Umstände die Maschine von Madrid nach Havanna zu erreichen. Also stornierte ich den Flug und wir entschieden uns fast, gänzlich auf die Reise zu verzichten, als wir zufällig über ein Angebot der Airfrance stolperten, die Wien -- Paris -- Havanna um 760 € anboten. Hab ich gebucht, klar, ne?


2) Ein bisschen was zu den Fliegern

Die Maschine von Wien nach Paris war ein kleiner Airbus und die Bestuhlung so, dass man sich gerade noch wohl fühlen konnte. Was vielen Reisenden (Und auch mir) Kopfzerbrechen bereitet, sind die knappen Umsteigzeiten auf dem Pariser Flughafen CDG (Charles de Gaulle). Man hat nämlich nur knapp zwei Stunden Zeit, muss dabei durch einen Security Check und ziemlich weit gehen. Bei solchen Flugangeboten (Beide Flüge von einer Gesellschaft, kein Codesharing) jedoch wird darauf geachtet, dass die Wege zwischen den einzelnen Flugsteigen nicht zu weit ist. Wir kamen auf Terminal 2D an und mussten zu Terminal 2C, dass geht sich zu Fuß und durch den Securitycheck in mal gerade zwanzig Minuten aus.

Geplant war, dass wir mit einer neuen Boeing 777 fliegen, deren großer Vorteil es ist, dass sie zum einen sehr leise ist und zum anderen, dass es auf der Rückseite für jeden Platz ein eigenes Unterhaltungssystem gibt. Also pro Passagier ein Monitor samt Klinkenstecker für die Kopfhörer und Tasten zum draufrumklöppeln. Allerdings war der Flug dann überbucht und wir bekamen statt der 777 eine hustende, alte 747. Ne, so schlimm wars nicht, die 747 ist halt ein Pferd, nicht umzubringen Reihe 18 ist sehr gut.

Ich empfehle übrigens immer wieder gerne für Leute, die Flugangst haben und/oder leicht Flugkrank werden, Sitze über den Tragflächen beziehungsweise ungefähr in der Mitte des Flugzeugs, da dort während auftretender Turbulenzen die Schwingungen am geringsten sind. Für Atlantikflieger: Turbulenzen gibt es auf Flügen Richtung Südwesten (Also Karibik und weiter, nach Südamerika) eigentlich nur wenn man über Spanien das Festland verlässt; da gibts manchmal so komische Scherwinde, und das Flugzeug tanzt ein wenig Walzer - und dann nochmal, wenn man die Küste der Vereinigten Staaten erreicht und dort dann Kurs Süden fliegt. Über Florida ist es manchmal ein wenig unruhig, aber da geht der Pilot eh meist schon in den Sinkflug.

Das Unterhaltungssystem war dann wie bei vielen anderen Langstreckenflügen so konzipiert, dass über den Mittelreihen Monitore herunter klappten und man halt von manchen Plätzen wenig bis fast nichts sehen kann. War mir egal, ich hatte meinen Kindle mit und las, bis mir die Augen zufielen

Was ich bei Airfrance durchaus angenehm finde ist, wie ungezwungen man bei denen im Flugzeug flanieren kann. Die Küchenbereiche werden zu offenen Buffetzonen erklärt und man kann sich zu jeder Zeit je nach Lust und Laune Getränke holen. Also Limos und Wein gibts in rauen Mengen ...

Wir landeten gegen 18:00 Ortszeit und eine knappe Stunde später in unserem Quartier, im dreizehnten Bezirk von Havanna, Plaza de la Revolución.


3) Wieder da

Es war etwas windig, aber es hatte ungefähr 27 Grad und die tatsächlichen Temperaturen vor Ort hatten nichts mit den Wettervorhersagen auf Webseiten wie wetter.com zu tun; es war auch nachtsüber wesentlich wärmer, als die Wettervorhersagen vermuten ließen.

So, wie es bei uns schon fast Routine ist, tranken wir zuerst mal einen furchtbar starken Kaffee, beschenkten unsere Gastfamilie und gingen anschließend duschen und Koffer ausräumen.

Und natürlich gingen wir dann wieder, so als ob wir da schon zu Hause wären, nach Einbruch der Dunkelheit (rund 20:15) die Avenida de los Presidents hinauf bis zu Rampa und dann die Rampa hinunter zu dem Laden, in dem wir uns immer Anejo Blanco und Gaseo Lemon kaufen. Diesmal hatten wir von Wien eigene Plastikbecher mitgebracht, um da nicht in irgendeine Verlegenheit zu kommen.

Da es zu windig war, um am Malecon zu sitzen (manchmal braust das Meer dort meterhoch auf und wirft weiße Gischt über die Mauer), gingen wir zum Eissalon Bim Bom, der nach Einbruch der Dunkelheit zum halb legalen Schwulentreff wird. Was uns diesmal gleich auffiel war, dass viele Touristen da waren. Viele Kanadier, ein paar Italiener, und wir zwei Österreicher.

Innerhalb einer Stunde hatten wir vier unserer Bekannten um uns versammelt, tranken Rum, lachten und sangen traurige Lieder. Später noch kamen Ruben und sein Freund Alexej vorbei, die wir dann auch, bereits am Rande der Erschöpfung und Trunkenheit, mit auf unsere Zimmer nahmen. Ruben studiert Musik und ist ein ausgebildeter Sänger, der eine Stimme hat, von der man Schweißhände und Swinging-Nerves bekommt, Alexej, sein Freund, ist Kunsthandwerker, der eigentlich Hetero ist, aber ganz gerne mit Männern ins Bett geht, weil er da Sachen machen kann, für die ihn seine aktuelle Freundin ... nun, sagen wir mal ... lynchen würde.

Am nächsten Tag standen wir gegen 09:00 auf, fast gar nicht verkatert und fuhren nach einem gemeinsamen Frühstück gegen Mittag mit dem Viazul Bus von Havanna nach Mi Cayito. Die Busse sind zum Teil übermäßig klimatisiert, da muss man aufpassen, dass man sich nicht verkühlt. Jedenfalls halten die Busse bei Hotel Atlantico, und von dort ist es ein Stück weit bis Mi Cayito zu gehen. Wir lieben den fast einen Kilometer langen Fußweg zu unserem Stück des Strandes, es hat etwas von Tradition an sich. Dann gehts über eine ein paar Meter hohe, überwucherte Sanddüne und man sieht das hier:

Um uns langsam an die Sonne zu gewöhnen, blieben wir die ersten paar Tage nicht zu lange am Strand, so maximal drei Stunden. Der Strandabschnitt wird von der Polizei oft kontrolliert, was die einheimischen Männer jedoch keinesfalls davon abhält, Kontakt zu Touristen zu suchen. Die Polizisten sind dann sogar so nett und kommen hin und wieder zu einem und fragen, ob man sich belästigt fühlt, oder ob eh alles passt.

Ich möchte es an dieser Stelle nur kurz wiederholen: Wer auf Kuba keine Männerbekanntschaft macht, der will keine Bekanntschaft machen, und selbst dann ist es schwer, sich dem hell lächelnden Charme zu entziehen. Das liegt auch an der Tatsache, dass Kubaner, auch wenn es keine sexuellen Hintergedanken gibt, oder nicht versucht wird, Geld zu lukrieren, sehr kontaktfreudige, soziale Menschen sind.

Am nächsten Tag standen wir früh morgens auf um zum Hauptbahnhof der Viazul Buslinie zu fahren und unsere Bustickets für die Dreitagesfahrt nach Varadero zu kaufen. Der Hauptbahnhof der Buslinie Viazul ist übrigens gleich gegenüber des Eingangs zum Zoologischen Garten von Havanna. Der kommunistische Megaschick aus den Sechzigern ist unbedingt sehenswert, auch wenn es so manchem Tierfreund angesichts der Umstände, wie die Tiere dort hausen, die Tränen in die Augen treibt.

Das Buchen klappte alles tadellos, und den Rest des Tages verbrachten wir mit einem stundenlangen Spaziergang durch Havanna, dessen Reizen wir uns einfach nicht entziehen können.


4) Wenn das Wetter so ist, wie es sollte ...

Tat es aber nicht. Nach drei schönen Tagen schlug das Wetter um und es wurde ... nun, es war weder Fisch noch Fleisch. Es war durchwegs windig, bewölkt, hin und wieder regnete es. Am Sonntagabend, als wir mit unseren Freunden am Malecon saßen (Am Sonntag passte das Wetter dann so halbwegs), erlebten wir gegen Mitternacht ein sagenhaftes Trockengewitter mit krakeligen Blitzen, gläsernem Krachen und leidenschaftlichen Küssen mit Blick auf den Golf von Mexiko. Ich weise alle Schuld von mir und behaupte: Der Rum war´s! Später kam dann doch der Regen dazu, es goss in harten, schrägen Schauern und wir gingen zurück zum Bim Bom um dort unter dem Plastikdach der Terrasse mit unseren Bekannten weiterzutrinken, zu lachen und zu singen.

Am Montag standen wir sehr früh auf und fuhren mit einem Privatfahrer zum Busbahnhof. Inzwischen zeichnete sich bei meinem Freund eine leichte Halsentzündung ab, die sich während der knapp dreistündigen Busfahrt dramatisch verschlechterte und schlussendlich dazu führte, dass er kurzfristig die Stimme verlor. Erst auf nachdrückliches Ersuchen hin drosselte der Busfahrer unter dem abfälligen Gemurre der anderen Reisenden die Klimaanlage auf angenehme fünfundzwanzig Grad. Bei einer Außentemperatur von fast dreißig Grad ist das durchaus annehmbar.

Wir hatten noch von Wien aus einen Dreitagesaufenthalt in Varadero gebucht, und zwar im Palma Real. Das war das bisher schlechteste Hotel, seitdem wir Varadero besuchen. das mit Abstand beste bisher war das Sol Palmeras, gefolgt vom Cuatro Palmas. Im Palma Real gibts nur grobmotorig besoffene Russen und Kanadier, die schon um zehn Uhr Vormittags gestrichen voll sind. das Essen ist bestenfalls mittelmäßig, dafür ist der Strandabschnitt und die dort befindliche Bar ganz nett. Richard und ich machen, wenn wir auf Kuba sind, ganz gerne diese drei Tage Pause vom Nachtleben in Havanna.

Für die, die´s nicht wissen: Varadero ist ein Landstrich in der Provinz Matanzas und liegt östlich der Provinz Habana. Ich freute mich eigentlich schon auf Varadero, weil einige Schlüsselszenen meines neuen Romans (An dem ich noch immer arbeite), dort spielen. Zu Varadero gehört die Halbinsel Hicacos; ein dreißig Kilometer langer, schlanker Streifen, an dessen Atlantikküste all die Hotelresorts stehen. Varadero ist auch eine kleine Stadt, in der hauptsächlich die Leute leben, die in der Touristenbranche leben. Und Varadero hat einen großen Park, in dem es nachts zugeht wie am Taubenschlag. Wie gesagt: Wer auf Kuba keine Männerbekanntschaften macht, der will das auch gar nicht.

Gegenüber des Hotels Cuatro Palmas gibt es auf der Ecke einer T-Kreuzung ein Nachtcafe mit Life-Musik, wo sich Einheimische und Touristen mischen. Und es ist manchmal witzig zu beobachten, wie vermeintlich heterosexuelle Männer, die am Strand gegenüber ihren Frauen noch den trinkfesten Macho gaben, spätnachts einem jungen Mulatten in die Schatten folgen ... Jedenfalls wimmelt es bei diesem Cafe gegenüber des Cuatro Palmas von schönen Männern, die sehr oft und sehr gerne anzüglich lächeln.

Inzwischen hatte mich mein Freund ein wenig mit seiner Halsentzündung angesteckt, oder was auch immer es war. Es war nicht so schlimm, dass wir am zweiten Tag nicht an den Strand gehen konnten, wurde aber gegen Abend dann doch so übel, dass wir es nach einem späten Spaziergang durch Varadero dabei beließen, auf den Park verzichteten und aufs Zimmer gingen.

Am dritten Tag räumten wir gegen 10:00 das Zimmer und ließen uns mit dem Taxi zum Busbahnhof von Varadero bringen. Gegen 16:00 waren wir schließlich wieder in Havanna und nutzten den angebrochenen Tag, um in einer ehemaligen Markthalle am Hafen von Havanna nach Mitbringsel und Zigarrenraucherzubehör zu suchen.

Inzwischen hatten wir auch unsere obligaten vier Kisten Zigarren gekauft (Cohiba Esplentidos, Montecristo No 2, Bolivar Pyramides Cohiba Robustos). Das passt bestens für den Transport, man darf nämlich fünfzig Zigarren in die EU einführen - pro Person.

  • Zusatzinformation: Der Viazul Bus von Havanna nach Varadero und retour ist ein Linienbus, der an mehreren Stationen hält. Eine davon ist der Flughafen von Varadero. Wer also nach Kuba fliegt und als Ziel Varadero hat und am Flughafen von Varadero ankommt, und kein Pauschalangebot nutzt, der kann auch kostengünstig mit dem Viazul vom Flughafen zur Hotelmeile fahren. Ist ungefähr zwanzig Minuten Fahrt.


5) Nützliche Tipps bzgl Mobilität

Es gibt in Kuba jede Menge Taxis. Vor allem in den großen Städten wie Havanna, Santiago de Cuba, Matanzas, Holguin, Santa Clara, Trinidad, etc ... und diese Taxifahrer machen neunzig Prozent ihrer Fuhren schwarz. Sie versuchen gerne, die Touristen zu neppen, und sie erkennen jeden Yuma (Reicher Ausländer) auf hundert Meter Entfernung. Da wir auch durch die Hilfe unseres Freundes Darek die wirklichen Tarife bereits kennen, funktioniert der Schmäh bei uns nicht. Merke: Preis immer vor dem Einsteigen verhandeln, nachher ist´s blöd.

  • Die Fahrten in den beliebten Oldtimern sind sehr beliebt und überzogen teuer.
  • Also immer vorher der den Preis ausmachen.
  • Das Taxameter in den Taxis ist in 99% aller Fälle, in denen es überhaupt eingebaut wurde, reine Staffage und erfüllt keinen Zweck.


6) Wenn der Rum in die Seele greift ...

Ein nicht von der Hand zu weisendes Problem mit den jungen Leuten auf Kuba ist, dass sie es schaffen, innerhalb weniger Tage aus den Gefälligkeiten eines Gastes eine quasi Verpflichtung abzuleiten: Vorgestern und gestern haben sie sich von außen zu der Runde gesellt, in der man zu feiern pflegt, und ihre Plastikbecher hingehalten, um auch einen Schuss Rum zu bekommen. Betüdelt von Musik, Rum und wilder Flirterei, und weil man kein Spaßverderber sein will, sagt man ja. Ging uns auch so. Am dritten Tag kann man sich dem hingehaltenen Becher fast nicht mehr entziehen. Gibt man dann keine Runde aus, gibts große, feuchte Augen und Fragen wie: "Was hab ich falsch gemacht? magst Du mich nicht? Ist Dir meine Gesellschaft so unangenehm?" Und dabei gehts nur um den Rum.

Dabei gehts, um das zu kritisieren, gar nicht einmal um die Kosten. Eine Literflasche Rum kostet 4,80 CUC, also rund 4 €. Es geht - zumindest mir - vielmehr darum, dass wir innerhalb kürzester Zeit nicht mehr Herrn der Lage waren und uns nicht, wie eigentlich gewünscht, darauf beschränken konnten, nur mit ein paar ausgesuchten Leuten zu feiern. Kurz: Einerseits wollen wir ja unter Leuten sein, andererseits wird das spätestens nach der ersten Flasche alles zu unübersichtlich und chaotisch. Da war es für uns recht hilfreich, dass wir eine recht dominante Transe (Weit weg von schön und ehrlich, aber uns gegenüber zumindest halbwegs loyal) an unserer Seite hatten, die dafür sorgte, dass der Rum sich nicht in der milden Karibikbrise verflüchtigte, schon allein aus purem Eigennutz. Dazu kam, dass die Second-Hand-Transe, wie wir sie nennen, Gott und die Welt kennt, und ein anerkennender Blick in Richtung eines Mannes genügt, um sie in Aktion zu setzen.


7) Wenn man nicht reist …

Wir waren diesmal also nur in Havanna (wo es nichtsdestotrotz immer wieder genug zu entdecken gibt) und Varadero, und einen Tag in Matanzas - Die Stadt besuchten wir, weil sie ebenfalls in meinem Roman eine wichtige Rolle spielt. Wenn man also nicht reist, und Kuba auf eigene Faust erkundet, zum Beispiel mit einem Mietauto, dann wird es mit der Zeit langweilig. Ehrlich: wie oft kann man besoffen in den Armen eines dunkelhäutigen Mulatten mit chinesischen Augen liegen? Wie oft kann man verkatert aufwachen, mit der üblichen Irritation: Was hab ich gestern bloß wieder angestellt? Wie oft kann man in die Altstadt spazieren gehen, den Zoo besuchen oder auf dem Prado die ausgestellten Gemälde junger Künstler anschauen?

Da mein Freund und ich staatlich anerkannte Strandflittchen sind, und diesmal das Wetter nicht mitspielte, wurde uns tatsächlich etwas langweilig. Ich gehöre zu den Leuten, die mit einem MP3-Player in der Hand und Kopfhörer in den Ohren stundenlang am Strand spazieren können - dabei erhole ich mich auf wundersame Weise.

Wir ließen uns sogar in den berühmten Leninpark bringen, in dem vor vielen Jahren der bekannte kubanische Schriftsteller Reinaldo Arenas im Licht der Parkbeleuchtung seine Werke schrieb, ehe er verhaftet und nach El Morro gebracht wurde.

Am Strand trafen wir den Radfahrer wieder, der sich in der Zwischenzeit (Also seit 2010) vom eher unschuldig und schüchternen Burschen zum Jinetero der Sonderklasse entwickelt hat. Ich nehme ihm das nicht übel, dazu habe ich nicht das geringste Recht, aber dass er zwei schwammige Typen aus Panama bezirzte und mich links liegen ließ, tat meiner Tuckenehre nicht wirklich gut .

Dafür lernten wir unter anderem eben Yoanis kennen, der mich durch seine Art begeisterte, voll und ganz dass zu sein, was er eben war. Ich kann es nur schwer anders ausdrücken, ich schätze, es war die Mischung aus Höflichkeit, Unsicherheit, Machismo und diesem abschätzigen, leicht amüsierten Blick, auf den ich so hilflos abfahre.

Und dann gabs da noch Joaquin, der mit der Leine den Arsch des Pferdes klatschte, und mit einem lüsternen Grinsen zu uns rüber sah: *Au*

Ja, wir sind ein wenig satt und nach der Euphorie zu Beginn im Jahr 2010 erkennen wir auch Stück für Stück die Schattenseiten, die für uns eigentlich nicht mehr sind als Mühsamkeiten, soziale Unschärfen, eingetretene Verhaltensmuster bei uns selbst und den Kubanern. Erkennen ist das falsche Wort; wir lassen die Schattenseiten an uns heran und nehmen sie zur Kenntnis. Das trübt nicht meine Freude, Kuba für mich entdeckt zu haben, dämpft aber ein wenig das stete Hurra-Geschrei, mit dem ich die ersten Reisen unternahm.

Wir haben schon vor, im Oktober wieder zu fliegen, vielleicht sogar für drei Wochen. Aber diesmal soll es dann ein Mietauto sein, mit dem wir Cuba Centro abklappern um mit den einheimischen Jungs nackt in den kühlen Flüssen zu baden

Das hatten wir schon lange vor. Trinkfeste Russen hin oder her, Varadero hat zumindest auch landschaftlich seinen Reiz, ist aber auch auf Dauer sehr langweilig. Ich erwähne Varadero deshalb noch einmal, weil ab der Wintersaison 2012/2013 die Fluglinie Condor direkt von Wien, nonstop nach Varadero fliegt. Das legt die Idee nahe, sich drei Wochen in Varadero einzumieten, und zwei Wochen davon Richtung Cuba Centro zu gondeln. Eine Woche brauchen wir dann eh, um wieder zur Ruhe zu kommen. Es gibt unter bestimmten Umständen sehr günstige Pauschalangebote mit All-Inclusive oder zumindest Halbpension, und es gibt keine Verpflichtung, das Hotel, bzw das Zimmer tatsächlich zu nutzen. Man zahlt der Chefin der Putzfrauen ein kleines Trinkgeld, bittet sie, zu lüften und sauber zu halten, deponiert eventuell Wertsachen, die man auf der Fahrt nicht braucht, im Hoteltresor und ist so auf der sicheren Seite.


8) Die Minusliste

Diesmal - und dies ohne jedes Selbstmitleid - hat es uns ordentlich erwischt

  • In der ersten Woche verlor mein Freund seine Brieftasche (45 CUC, und die Miles & More Karte)
  • Zu Beginn der zweiten Woche wurden wir beide krank und konnten uns gerade noch mit heftiger Antibiotika halbwegs auskurieren. Vorsicht: Bei Antibiotika aus Kuba scheißt man weiter, als man sehen kann.
  • Am letzten Tag wurde uns eine nicht ganz billige Pocketkamera gestohlen, und zwar die, auf der wir alle Partyfotos hatten; von jemanden, den wir für einen "Fastfreund" hielten. Die Kamera hatten wir uns von einem Freund ausgeborgt; die Überlegung war, dass wir nicht die große, teure Kamera in den Saufnächten mit uns herumschleppen wollten und etwas brauchten, dass man in die Hosentasche stecken kann. Der finanzielle Verlust ist dank VISA Reiseversicherung bei null, allerdings sind 150 Fotos beim Teufel, die für uns eine schöne Erinnerung bedeutet hätten.
  • Am Abreisetag erfuhren wir am Flughafen Jose Marti, dass wegen eines Streiks der Airfrance Belegschaft unser Rückflug nach Paris gecancelled wurde. Zwei Dinge retteten uns den Tag: Erstens konnten wir uns mit spanisch und englisch helfen, und zweitens waren wir als quasi nicht Gruppenreisende schon etwa zwei Stunden vor allen anderen Passagieren, die mit dieser Maschine heimgeflogen wären, am Flughafen. Der Vorschlag des vor Ort tätigen Airfrance Dispatchers, man würde uns ein Hotel plus Transfer und zwei Mahlzeiten bezahlen, wenn wir uns auf eine KLM Maschine am nächsten Tag umbuchen ließen, wobei nicht garantiert werden konnte, dass wir Plätze bekämen, weil die Maschine eigentlich auch überbucht sei, wurde von uns als nicht akzeptabel zurückgewiesen, worauf man uns zum Ticketschalter der Airfrance am Ende der Halle schickte. In dem kleinen verschlag saß eine genervte Frau, der ich zwei Komplimente machte. Resultat: Wir wurden auf einen Iberiaflug umgebucht, der am selben Abend ging, nur drei Stunden später, nach Madrid. Von dort bekamen wir einen Anschlussflug nach Wien, der zwei Stunden nach Ankunft in Madrid ging.

Die Iberiamaschine (Airbus 340-300) war ein funkelnagelneuer Traum, sauber, leise wie ein Elektroauto und in der Luft wie ein Brett.

Beim Security Check in Madrid vergaß ich dann auch noch das zusammengerollte Leinenbild, das wir in Varadero gekauft hatten, und mein Freund schimpfte mich wie einen krummen Hund Wir waren sauer, angefressen und ziemlich erschöpft, sodass dann der Diebstahl meines Firmenhandys (Blackberry Curve) nur noch ein Schulterzucken auslöste.

Die versicherungstechnischen Angelegenheiten sind unter Dach und Fach, ich hab ein neues Handy bekommen, und VISA zahlt die Kamera.


9) Conclusio

Es bleibt der ungute Geschmack, dass sich die Begeisterung abgenutzt hat (Was mit großer Sicherheit auch an uns selbst liegt) und dass diesmal einfach zu viel Unerfreuliches geschah, um sich wirklich erholt zu fühlen. Ohne zu raunzen: Mir gehts noch immer nicht gut, hab eine Verkühlung und will jetzt gefälligst ein wenig bedauert werden! Also los, Gruppenkuscheln!

Bei der aktuellen Preislage warten wir mit der Buchung für Oktober noch ab, und wenn sich nichts Besseres ergibt als das, was gerade angeboten wird, fliegen wir wirklich erst nächstes Jahr im März wieder nach Kuba. Dann wieder mit Condor direkt von Wien nach Varadero.

Ich halte Kuba nach wie vor für ein für schwule Reisende (Touristen mag ich nicht sagen) lohnendes Land, weil man doch sehr offen und warmherzig empfangen wird, sich geschichtlich und kulturell weiterbilden kann und wenn man Männerbekannschaften sucht, wirklich im wahrsten Sinn des Wortes aus dem Vollen schöpfen kann. Die Kubaner lieben Sex und es ist ihnen ganz grundsätzlich egal, ob sie es mit einem Mann oder einer Frau treiben.

Nicht ganz: für abendliche Gaudi und ausgefallene Sachen nehmen sie lieber Touristen, für Beziehung und Familie dann doch die Frau. Für Romantiker ist Kuba gefährlich wie eine fleischfressende Kannenpflanze, deren betörender Duft anlockt, und in der man im Kelch ertrinkt, um dann verdaut zu werden. Die Kubaner legen es darauf an, dass man sich als Yuma in sie verliebt, und sie beherrschen das Spiel aus dem effeff. Ich habe hemmungslos schluchzende italienische Schwule gesehen, die tränenüberströmt und bis zum Exzess peinlich einem Jungen nachgelaufen sind, betrunkene, alte Witwen, die jungen Kubanern hysterische Szenen machen, Sechzigjährige, käseweiße Kanadier, die vierzehnjährigen Jungs die Zunge in den Mund schieben und dabei für fotografierende Freunde das Victory-Zeichen machen.

Da Kuba nicht von der katholischen Kirche sittlich verbrannt wurde, und Sexualität in den neueren Zeiten eine der wenigen absoluten Freiheiten darstellt, wird sie von den Kubanern auch exzessiv genutzt. Sex, nicht nur zur Paarung oder aus Liebe, sondern auch als Mittel zur Sozialisation, der Freude, der Lebensfreude, ist überall und zu jederzeit legitim. Damit müssen wir Touristen erst lernen, umzugehen, weil wir eher dazu neigen, von dieser lang antrainierten Offenheit völlig niedergeprügelt zu werden.